Auf Tour in Kroatien und Serbien (1)

Die Stationen unserer Tournee: Đakovo – Osijek – Vukovar – Sombor – Subotica

  1. Đakovo – Osijek – Vukovar (v.a. Vukovar)

Eine Tournee besteht ja nicht nur aus Auftritten. Zwischen den Konzertterminen war auch noch genug Zeit, um sich die Gegend genauer anzusehen. Es waren viele Eindrücke, die ich hier versuche abschnittsweise wiederzugeben. Diesmal soll es v.a. um Vukovar gehen.

Charakteristisch für Ostkroatien und die Vojvodina ist die weite Ebene. Es ist also alles brettleben, soweit das Auge reicht… Das mal so als Einstieg. Und: Kroatisch versteht man leichter als Ungarisch… „Dobar dan“ klingt doch irgendwie logischer als „Jó napot kívánok“… Ich war überrascht und begeistert von den vielen noch erhaltenen schönen alten Stadtensembles, besonders in Osijek, Sombor und Subotica – Dinge die man bei uns leider nur noch recht selten findet!

Auch die Kirchen in der Gegend sind beeindruckend, allen voran die Klosterkirche der Nonnen des heiligen Kreuzes in Đakovo, in der wir auftraten, mit einer feierlichen, stimmungsvollen Atmosphäre. Von Đakovo selbst sahen wir leider nicht sehr viel, da die Konzert-Vorbereitungen viel Zeit in Anspruch nahmen. Allerdings scheint hier die Geistlichkeit eine sehr große Rolle zu spielen, mit dem dortigen Sitz des Bistums Đakovo-Osijek, kirchliche Gebäude prägen das Stadtbild.

Nachdenklich stimmen die Spuren des Krieges der 90er Jahre in Ostkroatien. In der Altstadt von Osijek beispielsweise sieht man immer noch Schäden von Granatsplittern an Gebäuden. Manche Gegenden außerhalb der Stadt sind noch vermint. Wie viele Minen, was für welche und wo genau sie begraben sind, weiß man nicht.

Einen Tag verbrachten wir auch in Vukovar, wo der Krieg noch präsenter ist. Auch an der Straße dorthin gibt es noch vermintes Gelände, unlängst sei wohl sogar Angela Jolie dagewesen, als UN-Botschafterin, um sich für die Deminierung einzusetzen. Hm… es gibt dann noch eine Geschichte von einem Bekannten, der tatsächlich dort mal einen Autounfall hatte – der Wagen kam von der Straße ab und flog in das verminte Gelände. Der gute Mann durfte auf keinen Fall zu Fuß zurück zur Straße gehen, sondern mußte per Handy die Polizei rufen, jeder Schritt wäre lebensgefährlich gewesen. Er wurde schließlich von einem Rettungshubschrauber von dem Feld aus in Sicherheit gebracht.

Die Stadt Vukovar hat im Krieg stark gelitten, wurde vollständig belagert und beschossen, 80 % der Bausubstanz wurden zerstört. Man findet dort heute noch viele Ruinen, daneben Neubauten, die architektonisch nicht immer so geglückt sind. Vereinzelt wurden historische Gebäude rekonstruiert, z.B. das Schloss der Grafen von Eltz, vieles anderes allerdings nicht, wie z.B. diese Kirche (auch ehemals gestiftet von den Grafen von Eltz), die total verwittert, mit einem Friedhof dahinter, der dem Verfall preisgegeben ist. Auch so etwas hatte ich bis dahin noch nie gesehen.

Zusammen mit Dara Mayer, der Vorsitzenden des donauschwäbischen Vereins „Deutsche Gemeinschaft Vukovar“, die auch das Konzert dort organisiert hatte, fuhren Thomas und ich durch Vukovar. Wir besuchten auch den Friedhof der Opfer von Belagerung und Fall Vukovars, in der Mitte die Ewige Flamme und das „Luftkreuz“, so nennen die Leute diese Skulptur.

Über der Stadt sieht man den alten Wasserturm von Vukovar, traurig berühmt geworden durch den Krieg.

Beeindruckend war die Geschichte einer Familie über die Flucht aus der eingeschlossenen Stadt nach Deutschland, und wie sie dort aufgenommen wurde. Man denkt sich oft, sowas gab’s nur früher, vielleicht im 2. Weltkrieg – aber das ist alles in den 90er Jahren passiert! Insgesamt fand ich: Die Stadt hat immer noch eine sehr bedrückende, deprimierende Atmosphäre, obwohl die Menschen dort viel tun, um dem entgegenzuwirken. Mit dem Status der „Opferstadt“ wollen sich die Anwohner der einst wohlhabenden Industriestadt nicht identifizieren. Sie wollen mithelfen, die Stadt wieder aufzubauen und etwas Positives zu schaffen.

Übrigens findet man in Vukovar auch vielen herrenlose Hunde, die überall auf den Straßen herumstreunen. Sie sind z.T. total süß, lassen sich füttern und streicheln und wollen mit einem mitkommen – aber man kann ja nicht alle Viecher mitnehmen! Der arme Hund, denke ich bis heute.

Auf dem Hinweg läuft eine Katze über die Landstraße, bei der Rückfahrt am Abend ist diese Katze (oder eine andere) dann überfahren, liegt ausgestreckt am Straßenrand, und nur ein grünes Auge leuchtet in die Nacht.

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Hier noch einige Fotos unseres Konzerts in Vukovar. Sie stammen von Zoran Cikovac. Das Konzert fand im „Klub der Richter“ von Vukovar statt.

Vorschau:

  1. Osijek
  2. Baranja, Batschka, Sombor
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